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Edition 2004
3. - 26. September 04

© Werner Bischof/Magnum

Werner Bischof, Magnum

Die Hungersnot in der Provinz Bihar als Trilogie, Briefausschnitt von Werner Bischof an Robert Capa in Paris, Februar 1951, Hungersnot in der Provinz Bihar
«Nachdem ich die Situation in Bihar studiert habe, gedenke ich das Hungerproblem in einer Trilogie darzustellen:
1. Hunger in Bihar
2. Stahl für die Industrie
3. Nutzbarmachung der Wasserkräfte
Das würde mir die Gelegenheit geben, die Aufbauprojekte von Damodar Valley und Jamshedpur miteinzubeziehen und aufzuzeigen, dass die Menschen hier auch versuchen, etwas gegen die Naturkatastophen zu unternehmen.»
Indien damals
Im August 1947 wird Indien unabhängig, jedoch erst im Januar 1950 erhält es eine Verfassung. Das Land hat damals 350 Millionen Einwohner. Indien ist eine Grossmacht. Als einziger Demokratie Asiens ist es Indien gelungen, eine unabhängige Politik zu machen zwischen den beiden Blöcken USA und Sowjetunion. Das neue Indien war gewaltfrei und somit für viele Künstler und Intellektuelle ein Synonym für Hoffnung.
Zitate von Werner Bischof, Indien, 1951
Die Anreise
«Noch eine halbe Stunde bis Bombay. Alles ist so eigenartig. Man verliert die Masse mit dem Flugzeug. Ich habe nie das Gefühl, dass ich soweit weg bin.» (Tagebuch, Februar 1951) Erste Indieneindrücke schreibt an seine Frau Rosellina: «Ich habe mich auf Elend, auf allerhand gefasst gemacht, doch was da an Hütten und Dreck entlang der Strassen steht, ist unbeschreiblich, und ein Geruch weht einem entgegen, der zum Brechen reizt. Ich werde mich sehr überwinden müssen, um gut zu arbeiten.
Die Hungerstory
Montag beginne ich mit einer Hungerstory. Keine leichte Arbeit, denn die Regierung liebt in dieser Sache keine Dokumente. Ich glaube nicht, dass jemand an diesen Hungerbildern vorbeischauen kann. Nein, sicher nicht, auch wenn jedesmal nur ein wenig hängen bleibt, dann würde mit der Zeit eine Basis geschaffen, die mithilft, Gutes und Verwerfliches zu unterscheiden.»
«Ich fuhr mit einem Regierungsbeauftragten in die Dörfer. Wir brachten rationiertes Getreide, aber was kann ein Jeep für 5‘000 km2 schon ausrichten! Dann habe ich diese hungernden Frauen gesehen, durch den Spiegel der Rolleiflex und es war das erste Mal, dass ich ohne Scheu die Kamera benutzte. Die Dramatik des Augenblicks war stark. Es ist nicht schwer solche Bilder zu machen, wenn man einigermassen Gefühl für Komposition hat.»
Werner Bischofs Reaktion auf die Publikation
«Erfreulich war die Zusendung der Foodstory in Life und ein Brief von Edward Steichen vom Museum of Modern Art, in welchem er mit Begeisterung von den starken Bildern aus Bihar spricht und mir alle Anerkennung schreibt. Er glaubt, wenn die amerikanischen Senatoren diese Bilder sehen, sie nicht lange um Foodlieferung diskutieren. Nun, die erste Seite ist wirklich stark, die anderen vier hätte ich anders gestaltet. Aber menschlich ist dieser kleine Beitrag, glaube ich, recht wirksam.»





Biografie
Werner Bischof (1916-1954) zählt zu den bedeutendsten Schweizer Fotografen. Er absolviert Kurse an der Zürcher Kunsthochschule und reist anschliessend als junger Fotograf durch das kriegsversehrte Europa. Neben seiner Arbeit für diverse englische Zeitungen tritt er der Fotoagentur Magnum bei. Seine Reportage über die Hungersnot in Indien macht ihn berühmt. 1952 ist er Kriegskorrespondent für «Paris Match» in Indochina. Er stirbt bei einem Autounfall in den Anden, während der Arbeit an einer Südamerika-Reportage für Magnum und «Life».



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www.wernerbischof.com