Künstler
Orte
Programm
Publikationen
Edition 2004
3. - 26. September 04

© Fotodynastie Reinhard, Drei Leben für die Strasse

Fotodynastie Reinhard

Drei Leben für die Strasse
Die Strasse, allgemein bekannt als ein Verkehrsweg, der Punkt A mit Punkt B verbindet: Bereits mein Grossvater war ihr verfallen. Er besass schon früh ein Auto. Seine Begeisterung galt nicht unbedingt dem Fahrzeug, sondern der damit verbundenen Mobilität. Nicht selten war aber auch der Weg oder die Strasse ein wichtiges Element in seinen Landschaftsfotografien. Mein Vater interessierte sich von seiner frühen Kindheit an nicht für die Strasse, sondern für die Fahrzeuge. Seine Faszination galt nicht nur den Autos, die er selber steuerte, nein, auch jener der grossen Autorennfahrer der Nachkriegszeit. Er fotografi erte Autos in allen «Lebenslagen»: die Fabrikation, die Bewegung, die Unfälle, oder die sportliche Betätigung. Schon 1949 reiste er nach Bern zum Grand-Prix der Schweiz. Später wurde diese Begeisterung ein Teil seiner beruflichen Tätigkeit: die Formel-1-Rennen in Monaco, Monza, Reims oder Hockenheim fotografi erte er regelmässig. Seine Haupttätigkeit als regionaler Bildjournalist trieb ihn auch zwangsweise dauernd auf die Strasse. Zuerst mit einem «Goggomobil», später mit dem VW-Käfer fuhr er bei Tag und Nacht, Sommer und Winter zu sämtlichen Geschehnissen und Anlässen in der Zentralschweiz. Da er praktisch jeden Autounfall, Hausbrand oder Flugzeugabsturz festhielt und oft auch vor der Polizei oder Feuerwehr vor Ort erschien, bekam er den Übernamen «Katastrophen-Sepp».

Im Kindergarten malte ich nur mit schwarzen Stiften, meist verunfallte Rennwagen, was mich schon als Sechsjähriger zum Psychiater brachte, da die Kindergärtnerin glaubte, mit mir stimme etwas nicht. Nachdem der grosse Traum vom Rennfahrer aufgrund der finanziellen Möglichkeiten platzte, begann automatisch meine Fotografenkarriere am Rande der Rennstrecke. Nicht nur Monaco und Monza, nein, die ganze Welt stand mir offen. Seit 1979 stehe ich, Wochenend für Wochenend, in sämtlichen Kurven mit wohlklingenden Namen wie «Parabolica», «Lesmo», «Sachs», «Mirabeau», «Eau Rouge» oder «La Source». In den drei Generationen sammelten sich über all die Jahre unzählige Bilder zum Thema Strasse, Verkehr und Rennsport an. Leider wurde am 15.8.1997 ein Teil unseres Archivs durch eine Überschwemmung vernichtet. Dieser Umstand hat unseren Umgang mit dem Archiv verändert: Wir sind uns dem Wert und der damit verbundenen aufwendigen Aufbewahrung bewusst geworden.

Daniel Reinhard

Biografie
Die Reinhard-Dynastie aus der Innerschweiz umfasst drei Generationen von Fotografen, vom Grossvater bis zum Enkel. Joseph (1901-1975)arbeitet zunächst als Coiffeur. Er bildet sich autodidaktisch zum Fotografen aus. Er eröffnet 1932 ein Fotogeschäft, das er bis zu seinem Tod zusammen mit seinem Sohn Josef (*1932) führt. Josef ist Dokumentalist und Fotoreporter und arbeitet für Zeitungen aus der Region. Der – vorläufig – jüngste aus der Dynastie ist Neffe Daniel (*1960), der unterdessen zu den bekanntesten Formel-1-Fotografen der Welt zählt.



Druckversion Top

 

   
Archives: 05 | 05 | 04 | 03 Website by aquaverde Impressum
 
Fabian Biasio
Werner Bischof, Magnum
Sergei Borissow
Markus Bühler, Lookat
Carla Etter
Galerie des enfants
Jérémie Gindre
Stöh Grünig
Il lungo addio
Didier Jordan
Marc Latzel, Lookat
Pierre Montavon
Marion Nitsch
Franca Pedrazzetti
Goran Potkonjak
Fotodynastie Reinhard
Marc Renaud
Daniel Rihs
Britta Rindelaub
Jordis Antonia Schlösser, Ostkreuz
Judith Schlosser
Tanja Schmidlin
Daniel Schwartz, Lookat
Christian Schwarz
se marier à Bienne
Andreas Seibert/Lookat
Giorgio von Arb
Cédric Widmer, Strates